Worte zum Abschied

Wie macht man das: 34 und ein halbes Jahr in einige Sätze hineinstecken? Am besten nachdenken und dann frei von der Leber weg!
Vor allem bin ich dankbar.
Dankbar für das alles, was ich in diesen Jahren in dieser Gemeinde erlebt habe: Tausend Begegnungen und Gespräche, lockere, tiefe, traurige und schöne. Die Menschen hier haben mich vieles gelehrt. Vor allem, wie man mit Schwerem leben kann.
Im Rückblick begreife ich erst richtig, was es für ein Abenteuer war, mit weniger als einer Handvoll Prozenten Sehkraft Pastor einer Gemeinde zu sein, oft ein Arbeiten und Leben „auf der Grenze“ (Paul Thillich). Es hat geklappt. Gott sei Dank. Es hat gepasst zwischen den Menschen hier und mir. Gott sei Dank. „Die Menschen hier möchten keine theologischen Formeln oder Floskeln hören. Sie möchten merken, wo dein Herz ist.“ So sagte mir mein Vor-Vorgänger Detlef Steffen, als ich anfing. Ja, das stimmte.
Vor allem bin ich dankbar, dass ich für Jahre und Jahrzehnte innerlich wachsen konnte. Die Freiräume konnte ich nach und nach mit eigenen Ideen füllen. Die Menschen reagierten fast immer aufgeschlossen darauf, nicht immer sofort, aber dann doch.
Bei einem der ersten Besuche damals, sagte mir ein älterer Mann: „Das sie aber nicht so kurz bleiben wie ihr Vorgänger!“ Ich wäre fast hintenübergefallen, wenn ich nicht gesessen hätte. Mein Vorgänger Hans-Joachim Rathjesn war 15 Jahre Pastor in dieser Gemeinde. Für mich damals eine unermesslich lange Zeit. Nun ist es mehr als die doppelte Anzahl an Jahren geworden und ich habe es nicht bereut hier geblieben zu sein. Ein langer Atem, viel Liebe und Geduld waren dafür von Nöten. Dabei haben mich viele Menschen freundlich begleitet und unterstützt.
Was bleibt? Gewiss vieles in den Herzen! Und vielleicht dies:
– ein starkes Team von geschulten Lektorinnen und Lektoren. Sie lesen im Gottesdienst, sie gestalten selbstständig eigene Gottesdienste.
– Engagierte, ehrenamtliche Küsterinnen und Küster unterstützen sie dabei.
– Unser Besuchsdienstkreis: Aus ihm heraus besuchen seit Jahren viele Menschen viele Menschen, ob sie im Bismarckseniorenstift leben oder an anderer Stelle in der Gemeinde. Sie haben sich fortgebildet und stellen ein eigenes Feld der Gemeindearbeit da.
– Unser Kinderkirchenteam: In ihm entwickeln wir Ideen und Themen für Kinderkirche und Familiengottesdienste, die wir gemeinsam gestalten.
So haben wir über die Jahre an einer „Gemeindekirche“ gearbeitet, die neben dem Pastor deutlich sichtbar und eigenständig existiert. Wir möchten die Menschen durch die Stationen ihres Lebens begleiten. Im Sinne des Paulus: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.“
Viel Freude hat mir bereitet, immer wieder einmal an „Nahtstellen von Gesellschaft und Kirche“ zu gehen. „Meine Reinbeker Hörbibel“ und die „Bußtagsgespräche“ mit Politikern/innen oder die lebendige Darstellung des Leonardo da Vinci Gemäldes „Das Abendmahl“ vor Edeka Kratzmann zum Beispiel.
Dies alles los zu lassen fällt mir schwer.
Das braucht Zeit.
Aber es ist richtig und gut so.
Nun wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Für die Gemeinde, wie für mich.
Dafür wünsche ich uns von Herzen Gottes Segen.
Ihr Pastor
Benedikt Kleinhempel

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Wir laden sehr herzlich ein zum

Gottesdienst zur Verabschiedung von
Pastor Benedikt Kleinhempel
am Pfingstsonntag, 09. Juni 2019 um 9.30 Uhr
in der Ansgarkirche in Schönningstedt.
Propst Matthias Bohl feiert mit uns diesen
Gottesdienst.
Anschließend lädt der Kirchengemeinderat zu einem
Abschiedsfest ein.
Falls Sie ein Grußwort sprechen möchten, wenden Sie sich bitte bis
spätestens 01.06.2019 an Kerstin Lege Tel.: 040/ 1811 5918