Mit Gott durch Angst und Tiefen des Lebens

23 Jesus stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm. 24 Als sie auf dem See waren, kam ein schwerer Sturm auf, und die Wellen drohten
das Boot unter sich zu begraben. Aber Jesus schlief. 25 Die Jünger gingen zu ihm, weckten ihn und riefen: »Rette uns, Herr, wir gehen
unter!« 26Jesus sagte zu ihnen: »Warum habt ihr solche Angst? Ihr habt zu wenig Vertrauen!« Dann stand er auf und sprach ein Machtwort
zu dem Wind und den Wellen. Da wurde es ganz still. 27Die Leute aber fragten voller Staunen:

»Was muss das für einer sein, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen!« Matthäus 8,23-27

Jedes Jahr bringen Martins Eltern ihn in den Sommerferien zu seiner Großmutter und fahren am nächsten Tag mit dem gleichen Zug nach Hause. Eines Tages sagt der Junge zu seinen Eltern: „Ich bin jetzt ziemlich groß. Wie wäre es, wenn ich dieses Jahr alleine zur Oma fahre?“ Nach kurzer Diskussion sind sich die Eltern einig. Sie stehen am Bahnsteig, winken und geben ihm einen letzten Tipp durchs Fenster, während Martin denkt: „Ich weiß, das habt ihr mir schon hundertmal gesagt…!“ Kurz bevor der Zug losfährt, flüstert der Vater: „Schau mal, ich hab etwas für dich, falls es dir plötzlich schlecht geht oder du Angst bekommst.“ Und er steckt ihm etwas in die Tasche. Jetzt ist der Junge alleine, sitzt im Zug ohne seine Eltern, zum ersten Mal. Er sieht die vorbeiziehende Landschaft aus dem Fenster. Unbekannte um ihn herum hetzen, machen Lärm, kommen und gehen aus dem Abteil, der Schaffner spricht ihn an, verwundert darüber, dass er alleine ist. Ein anderer Fahrgast wirft ihm sogar einen mitleidigen Blick zu. So fühlt sich der Junge immer unwohler. Und jetzt hat er Angst. Er senkt seinen Kopf, kuschelt sich in eine Ecke des Sitzes. Tränen steigen ihm in die Augen. Er erinnert sich daran, dass sein Vater ihm etwas in die Tasche gesteckt hat. Mit zitternder Hand sucht er dieses Stück Papier, öffnet es und liest: „Mein Sohn, ich bin im letzten Wagen.“ So ist es im Leben.
Wir müssen unsere Kinder laufen lassen und ihnen vertrauen. Wir sollten aber immer im letzten Wagen sein, damit wir für sie da sein können, wenn sie Angst haben… (Verfasser unbekannt) Ich als Vater weiß, es ist nicht leicht meine Kinder laufen zu lassen. Ich freue mich jedes Mal, wenn sie zurückkommen: nach der Schule, vom Besuch bei einem Freund, vom Spielplatz… In unserer Beziehung zu Gott ist es ähnlich: Er gibt uns Freiheit auf unserem Weg in dieser Welt. Aber sein Blick, seine Gegenwart verlässt uns nie.
Mit all ihrem Leiden und der Verunsicherung verbreitet die Pandemie große Angst. In Deutschland allein sind schon über 60 000 Menschen an oder mit Corona gestorben und tausende von Menschen sind Sorgen und Ungewissheit ab und hoffen, dass ihre Symptome sich nicht verschlimmern. Andere trauern um ihre Familienangehörigen, um den Partner oder die Partnerin oder um Freunde. Gesundheitsbeamte,
Ärzte und Pflegepersonal sind am Limit. Der Abstand zwischen den Menschen ist größer geworden und durch die Distanz entfremden wir
uns voneinander. Hinzu kommt die Sorge um die Bildung der künftigen Generation und den Verlust des Wohlstands. Auf Englisch würde ich
sagen: „The Virus takes away our lives, our livelihood and our way of life.“ All das ist Grund genug, sich Sorgen zu machen, ängstlich zu
sein. Ist Gott im letzten Wagen unseres Zuges, wie in der Geschichte von Martin?! Ist Gott am Bord?! Für die Jünger im Matthäus Evangelium ist Jesus auch da, bei ihnen im Boot. Wie ist es bei uns…?
Besonders in dieser unberechenbaren Zeit brauchen wir Halt. Nicht irgendeinen Halt. Wenn der Strudel von Not, Leid, Sorgen und Krisen des Lebens uns hinab zu ziehen droht, brauchen wir den richtigen Halt.
Die eigenen Fähigkeiten reichen dann nicht mehr aus. Wir brauchen Kräfte und Möglichkeiten über uns hinaus. – Gott streckt uns in Christus seine Hand entgegen. Jesus ist dabei im Sturm der Zeit, in unserem Strudel von Angst und Sorge und Einsamkeit. Christus ist die ausgestreckte Hand Gottes. Damit möchte Gott unser Leben retten und bergen. Wir können uns an Gott festhalten. Gott verlässt uns nicht.
Auch nicht in der Pandemie!
Ich wünsche Ihnen und Euch Gottes Segen für die nächsten Monate, für die Fastenzeit und dann die österliche Freudenzeit! Seien Sie
behütet. Bleiben Sie gesund!
Pastor Siaquiyah Davis

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