Auch mal eine Pause

Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf, wo ihn eine Frau mit Namen Martha in ihr Haus einlud.
Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß.
Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu.
Martha aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt.
Schließlich stellte sie sich vor Jesus hin und sagte:
„Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“
Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr:
„Martha, Martha, du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur eines.
Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. (Lk 10,38-42)
Unserer immer schneller werdenden Gesellschaft, hat das Corona-Virus die große Lehre der Unterbrechung beigebracht. Die Geschichte von Martha und Maria macht deutlich, wie wichtig Pause ist. Dabei ist die Wertschätzung von Jesus ermutigend.
Es handelt sich um die Geschichte von zwei Frauen und ihrer Begegnung mit Jesus. Die Geschichte wendet sich gegen die
damaligen Sitten und Gebräuche.
Dass Maria, eine Frau, die Schülerin eines Rabbis wird, ist für die damalige Kultur ungewöhnlich. Marthas Verhalten passt zu den kulturellen Erwartungen an eine Frau. Sie sollte gastfreundlich sein und es für die Besucher so angenehm wie möglich machen. Und das macht Martha genau richtig.
Aber was provozierend ist, ist dass Jesus die Faulheit zu loben scheint.
Martha hat Jesus und seine Jünger in ihr Haus eingeladen. Sie macht sich eine Menge Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen.
Aber Jesus scheint gar nicht anzuerkennen, was Martha für ihn und die Jünger tut. Stattdessen lobt er Maria, die untätig herumsitzt und ihre Schwester arbeiten lässt. Ist das nicht ungerecht?
Dass die Geschichte von Martha und Maria uns so irritiert, hängt, glaube ich, auch damit zusammen, dass viele von uns sich gut mit der aktiven Martha identifizieren können. Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an. Aktiv zu sein, beschäftig zu sein, das gilt in dieser Gesellschaft als ein hohes Gut, das vielen Menschen sehr wichtig ist.Dass jemand einfach nur dasitzt, ohne etwas zu machen, ist in der Gesellschaft eigentlich nicht vorgesehen und löst insofern leicht Irritationen aus.
Und nun kommt Jesus und behauptet, Maria, die einfach nur zu seinen Füßen sitzt, habe das gute Teil erwählt…
Aber der Kontext der Geschichte von Martha und Maria gibt uns ein klares Bild. Direkt vor dieser Geschichte findet sich das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter, mit dem Jesus die Frage beantwortet, was das Gebot: „Liebe deinen Nächsten“ konkret bedeuten kann.
In diesem Gleichnis ist der barmherzige Samariter eindeutig das Vorbild. Jesus ruft auf zum helfenden Handeln, er macht deutlich, dass Glaube und Handeln zusammengehören.
Auch Martha ist doch ein Vorbild an tätiger Nächstenliebe! Indem sie Jesus und seinen Freunden dient, tut sie genau das, was Jesus im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter gefordert hat!
Ich verstehe die beiden Geschichten: den barmherzigen Samariter einerseits, Maria und Martha andererseits, wie die zwei Seiten einer Waagschale, die ins Gleichgewicht kommen müssen.
Auf der einen Seite die Tat, die Aktivität, die praktizierte Nächstenliebe, auf der anderen Seite die Passivität, das Ausruhen, die Stille. Beide Seiten sind wichtig – für unser Leben, für unsere Beziehungen, für unseren Glauben, keine darf überbetont werden.
Wir alle wissen, dass die Saat Ruhe braucht, um aufzugehen, zu wachsen und Früchte zu bringen. Auch unser Tun braucht Zeiten der
Ruhe, es muss Unterbrechungen geben. Wir halten es nicht aus, sind nicht dafür gemacht, ununterbrochen aktiv zu sein – weder in der
Arbeit, noch im Vergnügen. In der Gesellschaft stehen wir unter einem enormen Leistungsdruck.
Viele arbeiten pausenlos, machen unendlich viele Überstunden, weil sie meinen, vor den Augen der Kollegen oder der Vorgesetzten nur so bestehen zu können. Sogar in der Kirche setzt sich das Leistungsdenken immer mehr durch. Aber das muss nicht so sein.
Die Arbeitswoche braucht den Sonntag als Ruhetag.
Unterbrechungen sind lebensnotwendig.
Martha und Maria zusammen sind ein Traumbild einer gesunden Gemeinde: lebendige Spiritualität und lebendiges Erbarmen und gesundes Leben.
Ich wünsche Ihnen und Euch einen wunderbaren und gesegneten Sommer! Bleiben Sie gesund!
Ihr Pastor Siaquiyah Davis

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