Konfirmation in Finnland

Es war eine ganz besondere Einladung, die uns im April ins Haus flatterte, der Sohn unserer finnischen Freunde lud uns zu seiner Konfirmation Ende Juni ein. Also machten wir uns mit dem Wohnmobil auf den Weg, der uns über Dänemark, Schweden per Fähre nach Turku in Finnland führte. Bei herrlichem Sommerwetter, es waren 38 Grad, kamen wir in Lammi an. Der Ort liegt in der Nähe von Hämeenlinna und Lahti, dem bekannten Wintersportort mit seinen Sprungschanzen. Lammi hat eine hübsche und bekannte mittelalterliche Kirche, in der die Konfirmation stattfinden sollte.
Vor der Kirche warteten bereits die Angehörigen der Konfirmandinnen und Konfirmanden. Es fiel auf, dass alle jeweils eine langstielige Rose in den Händen hielten. Darauf waren wir nun gar nicht vorbereitet!
Wir sahen viele junge Leute in schicker Kleidung und dachten zunächst, dass es die Konfis wären.
Aber das war eine Fehlannahme. Es waren die „Isoset“, die die „Pikkuset“ begleiten würden.
Die Isoset sind im Gegensatz zu den Pikkuset bereits konfirmiert und spielen in der Arbeit mit den Konfirmanden eine wichtige Rolle. Sie helfen dem Pastor oder der Pastorin und sind auch persönliche Betreuer und Ansprechpartner für die Jüngeren. Jeder Pikkuset kann sich für die Konfirmationsfeier einen Isoset aussuchen, der ihn dann in die Kirche führt.
Langsam füllte sich die Kirche und dann kamen die Konfirmanden (Pikkuset) mit jeweils einem oder einer Isoset an der Seite.
Die Konfirmanden trugen alle einheitlich ein besonderes Gewand, eine Alba. Dieses weiße 7 Kleidungsstück ist hochgeschlossen und bodenlang.
Zur Einsegnung kamen alle Konfirmanden nach vorne in den Altarbereich. Eine Patin oder ein Pate begleitete sie, dann gingen die Pastorin und ein Diakon herum und segneten jeden ein.
Danach sang ein Chor der Isoset einige Lieder und ein Konfirmand trug eine Rede vor. Im Anschluss sangen die Konfirmanden ein Lied, das sie auch selbst begleiteten.
Das anschließende Abendmahl wurde kniend im Halbkreis vor dem Altar durchgeführt. In Finnland wird zu dem Brot oder der Oblate jedem Teilnehmenden ein kleiner Kelch gereicht, der mit Wein gefüllt ist.
In Finnland werden die Jugendlichen generell in dem Jahr konfirmiert, in dem sie 15 Jahre alt werden.
Danach sind sie im Auge der finnischen ev.-luth. Kirche mündig und können auch ein Paten Amt übernehmen. Mit 16 Jahren erhält ein konfirmiertes Mitglied einer Gemeinde bereits das Stimmrecht bei den Wahlen der Kirchenbevollmächtigten, die alle 4 Jahre stattfinden. Der Konfirmandenunterricht besteht aus insgesamt 60 Stunden Unterricht, in dem die wesentlichen Dinge über den christlichen Glauben unterrichtet werden. Auch um kirchlich getraut zu werden, muss man konfirmiertes Mitglied in einer Gemeinde sein. Alle finnischen Gemeinden bieten Konfirmandenunterricht an — oft finden diese in Form von Konfi- Camps im Sommer statt.
Nachdem der festliche Gottesdienst beendet war und die Konfirmanden mit der Pastorin und dem Diakon aus der Kirche ausgezogen waren, stellten sich alle für die Fotos auf und es wurden die Rosen überreicht. Kurze Zeit später hatten sich die Jungen und Mädchen von ihrer Alba „befreit“ und standen dann in ihren Kleidern und Anzügen bei den Familien und den Angehörigen für weitere Fotos bereit. Danach ging es nach Hause, wo bereits alles für eine Familienfeier im Garten vorbereitet war.
Marina Umlauff

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