Gedicht

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Roter Mohn – Otto Bierbaum (1865 – 1910)

Wenn im Sommer der rote Mohn Wieder glüht im gelben Korn, wenn des Finken süßer Ton wieder lockt im Hagedorn, wenn es wieder weit und breit feierklar und fruchtstill ist, dann erfüllt sich uns die Zeit, die mit vollen Maßen misst. Dann verebbt, was uns bedroht, dann verweht, was uns […]

Frühling von Theodor Fontane

Nun ist er endlich kommen doch In grünem Knospenschuh; »Er kam, er kam ja immer noch«, Die Bäume nicken sich’s zu. Sie konnten ihn all erwarten kaum, Nun treiben sie Schuß auf Schuß; Im Garten der alte Apfelbaum, Er sträubt sich, aber er muß. Wohl zögert auch das alte Herz […]

Herbst – Theodor Storm (1848)

Herbst 1 Schon ins Land der Pyramiden flohn die Störche übers Meer; Schwalbenflug ist längst geschieden, auch die Lerche singt nicht mehr. Seufzend in geheimer Klage streift der Wind das letzte Grün; und die süßen Sommertage, ach, sie sind dahin, dahin! Nebel hat den Wald verschlungen, der dein stillstes Glück […]

Joseph Freiherr von Eichendorff: „Mondnacht“

Es war, als hätt‘ der Himmel Die Erde still geküsst, Dass sie im Blütenschimmer Von ihm nun träumen müsst‘. Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die […]

Heinrich Heine: Gedichte – Kapitel 436

Beine hat uns zwei gegeben Gott der Herr, um fortzustreben, Wollte nicht, dass an der Scholle Unsre Menschheit kleben solle. Um ein Stillstandsknecht zu sein, Gnügte uns ein einzges Bein. Augen gab uns Gott ein Paar, Dass wir schauen rein und klar; Um zu glauben was wir lesen, Wär ein […]

Glaube nur – Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Glaube nur Wenn im Sommer der rote Mohn Wieder glüht im gelben Korn, Wenn des Finken süßer Ton Wieder lockt im Hagedorn, Wenn es wieder weit und breit Feierklar und fruchtstill ist, Dann erfüllt sich uns die Zeit, Die mit vollen Maßen misst, Dann verebbt, was uns bedroht, Dann verweht, […]

Frühling Hermann Löns

Hoch oben auf dem Eichenast Eine bunte Meise läutet Ein frohes Lied, ein helles Lied. Ich weiß auch, was es bedeutet. Es schmilzt der Schnee, es kommt das Gras, Die Blumen werden blühen, Es wird die ganze weite Welt In Frühlingsfarben glühen. Die Meise läutet den Frühling ein, Ich hab‘ […]

Schweigen

Schweigen Nicht nur still werden und den Lärm abschalten, der mich umgibt. Nicht nur entspannen und die Nerven ruhiger werden lassen. Das ist nur Ruhe. Schweigen ist mehr. Schwiegen heißt: mich loslassen nur einen winzigen Augenblick. Verzichten auf mich selbst, auf meine Wünsche, auf meine Pläne, auf meine Sympathien und […]

Gedicht zum neuen Jahr

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit, Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid, Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass, Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre doch was! Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh‘, Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du, Statt Angst und Hemmung […]

Der Schmetterling in der Kirche

Der Schmetterling in der Kirche In des Kirchleins trauten Räumen, Flattert lustig er herum; Störet nicht sein selig Träumen, Duldet ihn im Heiligthum. Ob er reget hier die Schwingen, Ob im Tempel der Natur; Wird er Lob dem Schöpfer bringen, Predigen der Allmacht Spur. Georg Daniel Hirtz * 2. Februar […]