Freundschaft mit Vogel-Pfau

Liebe Nachbarn, liebe Leser und Leserinnen,
ich möchte zu Beginn des neuen Jahres die Gelegenheit nutzen, ein paar freundliche Grüße in die Nachbarschaft zu senden und mich gleichzeitig bei denen, die mich noch nicht kennen, kurz vorzustellen.
Mein Name ist Jochen. Ich bin ein weißer, zwei Jahre alter Pfauenhahn (pavo cristatus mut. alba) und wohne seit Juli 2020 auf dem Gutshof in Sachsenwaldau. Zuvor war ich ein Jahr in Niedersachsen ansässig, wo ich mich auch sehr wohl gefühlt habe. Aber… tempi passati.

Freundschaft – die Königsdiziplin in Sachsenwaldau

Nach Schleswig-Holstein bin ich alleine, ohne weibliche Begleitung, eingereist. Eigentlich ein hochriskantes Unterfangen, da doch jeder weiß, dass wir Pfaue die Gemeinschaft lieben und bei Einsamkeit zu Trübsinn neigen. Doch hier darf ich auch sofort das schleswigholsteinische Verständnis von Gastfreundschaft lobend erwähnen.
Nach meiner “Einstiegsquarantäne”, wir Pfaue müssen zunächst ein paar Wochen in einem Gehege verbringen, weil die Menschen sich sorgen, dass wir uns sonst mit weitem Flügelschlag auf und davon machen, kümmerten sich der ortsansässige Hahn und seine Entourage, ein Club von sechs fröhlichen Hühnern, rührend um mich.
Die Einrichtungsleitung ließ zudem kurzfristig zwei Pfauendamen aus dem nah gelegenen Bad Segeberg anreisen, so dass ich mich schonnach wenigen Wochen pudel – äh – pfauenwohl fühlte.
Die Bewohner Sachsenwaldaus zeigten uns sofort ihre Freundschaft, indem sie uns Leckerchen und Mehlwürmer zusteckten. Natürlich wussten wir auch die bewundernden Blicke zu schätzen, mit denen sie uns auf unserem täglichen Rundgang hinterhersahen. Wir Pfaue sind nun einmal etwas eitel: Mit ein wenig Bewunderung lebt es sich halt leichter.
Unser herbstlicher Rundgang führte uns täglich zur Gärtnerei und von dort zur Hundeschule. Bisweilen eine harte Prüfung, denn diese Vierbeiner sind bedauernswerterweise so gar nicht für den graziösen Schreitgang zu begeistern. Danach überprüften wir die Scheune bzw.
die Anzahl der in ihr aufbewahrten Strohballen. Ein sehr wichtiger Rohstoff, dieses Stroh. Hat man davon viel in der Scheune, dann geht es doch gleich viel gelassener in die kalten Monate. Abschließend verlustierten wir uns meist auf dem “Gelände der Begegnung”. Hach ja, schöne Tage waren das.

Freude auf den Sommer

Doch wo Licht ist, da ist leider auch immer etwas Schatten. Eine meiner Bad Segeberger Herzensdamen erkrankte im Dezember und weilt heute leider nicht mehr unter uns. Einen Monat zuvor durften wir aufgrund der drohenden Vogelgrippe den Stall bzw. das kleine überdachte Außengehege nicht mehr verlassen. So leben auch wir jetzt im lockdown und hoffen wie die Bewohner auf einen schönen Sommer, der uns wieder Leichtigkeit, Wärme und Freiheit schenkt.
Kommen Sie doch mal vorbei, wenn der ganze C-Spuk vorbei ist. Dann lernen wir uns auch mal persönlich kennen. Und bis dahin kann ich auch sicherlich ein schönes Rad schlagen – versprochen!
Vorne sehen Sie meine sympathische Partnerin aus Bad Segeberg. Im Hintergrund ein entfernter Verwandter, der
leider sehr schweigsam ist.

Sabine Engel, Teamleiterin Fähigkeit und Fertigkeit
fördern und wohnen, Sozialtherapeutisches Zentrum Sachsenwaldau

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