Ein Herantasten an den richtigen Weg Vollstationäre Einrichtungen in Corona-Zeiten

Zu Anfang des Jahres 2020 stellte sich auch im
Sozialtherapeutischen Zentrum Sachsenwaldau (fördern & wohnen) die Frage: Wie gehen wir in einer vollstationären Einrichtung, die gesundheitlich beeinträchtigte Menschen beherbergt, mit der Corona-Pandemie um? Wie halten wir es mit der Maßgabe, dass Menschen ihr Zuhause verlassen dürfen, aber nur unter Einhaltung strenger Quarantäne-Maßnahmen wieder zurückkehren dürfen?
Bereits vor Beginn der Corona-Hochphase beschloss die
Einrichtung grundsätzliche Regelungen zum Schutz ihrer Bewohner.
Besuche von Angehörigen und Freunden mussten ausgesetzt werden.
Individuelle Ausflüge und Einkaufstouren der Bewohner wurden erst einmal untersagt. Empörung und Protest blieben aus. Zu bedrohlich wuchsen in diesen Wochen bundesweit die Zahlen der Infizierten. Ein Hintergrund, der Akzeptanz und Verständnis für die konsequenten Maßnahmen erleichterte.
Neue Räume, neue Ideen Gleichzeitig änderte sich das Leben in der Einrichtung. Gesonderte Räume wurden prophylaktisch für eventuelle Quarantäne-Fälle eingerichtet. Parallel gab es Angebote, die den Bewohnern halfen, sorgenvolle Gedanken oder durch reduzierte Außenkontakte bedingte Langeweile zu vertreiben. Diese Angebote wurden gut angenommen und halfen allen Beteiligten, die Stimmung in den kritischen Monaten positiv zu halten.
Mit der Besinnung auf das Innenleben der Einrichtung
entwickelten sich im Kreise der Bewohner auch neue kreative Ideen.
Allgemeiner Tenor: Wir wollen etwas bewahren von diesen Ereignissen und Erfahrungen, von den Gesprächen über das, was wir glauben, was wir uns erhoffen, wovor wir Angst haben.
Zwei Kunstprojekte, die Bau- und Verpackungsmaterialien in zwei spektakuläre Kunstwerke umwandelten, sollen hier beispielhaft genannt werden.
Das Projekt „Fast 100 Arten Corona zu beschreiben“ nutzte
100 weiße Kacheln, die 9 von früheren Renovierungsarbeiten
übrig geblieben waren.
Dabei wurde jede Kachel für jeden Bewohner zu einer Freifläche, auf die er mit Farbe und Pinsel seine Eindrücke und Empfindungen auftragen konnte. Das Ergebnis:
ein wunderbares Panoptikum unterschiedlichster Perspektiven und Ausdrucksformen.
Ein zweites Projekt entwickelte eine ehrenamtliche Helferin mit Blick auf überschüssige Eierkartons: „Das sind doch Blüten!
Die kann man bemalen und auffädeln!“ Die Idee fand Freunde und innerhalb kürzester Zeit entstand ein imposantes
„Gedankenmobile“ aus sorgfältig getrennten Eierschachteln, gefärbt und mit interessanten Zugaben bedacht.
Beide Projekte sind beeindruckende Nachweise für den Zusammenhalt und das gemeinschaftliche Arbeiten der Bewohner Sachsenwaldaus in den irritierenden Zeiten
einer Pandemie. Abstandsvorgaben und Hygieneregeln wurden diszipliniert eingehalten. Die Freude an der kreativen, gemeinsamen Arbeit trug über manchen düsteren Gedanken hinweg.
Bis heute sind alle Bewohner Sachsenwaldaus von Covid-19-Infektionen verschont geblieben. Sie, wie auch die Beschäftigten in Sachsenwaldau, wissen inzwischen, dass sie mit kollektiver Achtsamkeit und guten Ideen auch weiterhin der Pandemie die Stirn bieten können.
Die Ausstellung „Fast 100 Arten Corona zu beschreiben“ soll ab dem 08.10.2020 für 4 Wochen outdoor auf unserer Veranda am Verwaltungsgebäude ausgestellt werden.
Sabine Engel, Teamleiterin Fähigkeit und Fertigkeit
fördern und wohnen,

Sozialtherapeutisches Zentrum Sachsenwaldau
Sachsenwaldau 8, 21465 Reinbek
Tel.: +49 41 04 – 97 13 28, Fax: +49 41 04 – 97 13 70
sabine.engel@foerdernundwohnen.de, http://www.foerdernundwohnen.de

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