Was die Kirche für mich bedeutet

Die Hilfe der Kirche suche ich dann, wenn meine Seele Hilfe braucht. Wenn ich merke, dass ich wieder so viele Ängste habe.
Angst vor Arbeitslosigkeit, vor dem drohenden Hartz IV, Angst, den Alltag nicht zu schaffen oder auch die Angst um meine Kinder. Ich gebe mal ein Beispiel: Vor einigen Jahren ließen wir unsere Kinder hier in der Kirche taufen. Damals hatten wir sehr große Sorge um die Gesundheit eines der Kinder. Die Taufzeremonie war sehr bewegend und sie hat etwas bei mir verändert: Ich konnte die Sorge um die Kinder ein bisschen loslassen. Mir war so, als seien die Kinder nun wirklich durch Gott und die Gemeinde besser geschützt. Das Gefühl habe ich bis heute. Ebenso hat mir ein Trauergespräch mit unserem Pastor sehr geholfen, mit meinen Schuldgefühlen und der Trauer und all den widersprüchlichen Gefühlen nach einem Verlust zurechtzukommen. Dafür bin ich sehr dankbar. Mir fällt es oft so schwer, das Gute im Leben zu sehen.
Dann hilft mir der Glaube – und die kleine Kirche vor Ort.
Ein Gemeindemitglied

Liebes Gemeindemitglied,
Ich freue mich sehr über Ihren Artikel, den Sie in einer persönlichen und offenen Weise geschrieben haben. Das finde ich mutig. Von solchem Mut sich zu zeigen, brauchen wir eine Menge um uns gegenseitig wirklich erkennen und nah sein zu können. Wie oft machen wir uns gegenseitig etwas vor, stellen uns anders dar, als wir sind und verhindern damit gerade das, was wir am dringendsten brauchen: Wirklichen Kontakt. Ich freue mich auch deshalb über Ihre Zeilen, weil sie vom Gelingen erzählen: Sie konnten Gott Ihr Kind in die Arme legen und es so besser loslassen. Sie haben von einem Menschen Abschied nehmen müssen, und über Ihre Gefühle gesprochen, sie so verarbeitet. Hier ist etwas geglückt, was natürlich nicht immer gelingt…. Dies entspricht genau dem Bild, dass ich von der Kirche habe oder mir von ihr wünsche, erträume: die Kirche als Gefährtin auf unseren Wegen durch Raum und Zeit.
Gefährtin zu sein, kann ganz verschieden aussehen: Mal geht man dicht nebeneinander, sieht sich ins Gesicht, redet vertraut miteinander – so vielleicht, wenn ein Kind geboren wird, ein Jugendlicher sich zu Gott bekennt, zwei Menschen ja zueinander sagen, oder ein letzter Weg gemeinsam gegangen werden muss. Dann lässt man sich eventuell wieder etwas zurückfallen, sieht die Kirche als Gefährtin mehr aus der Distanz oder verliert sie ganz aus dem Blick. Es kann aber auch sein, dass man auf gleicher Höhe bleibt und miteinander weitergeht: So sucht man etwa sonntags die Spuren von Glauben, Lieben und Hoffen im Gottesdienst, oder an anderen Tagen das wiederkehrende Gespräch und die Nähe in den Gruppen und Kreisen der Gemeinde: Gesprächskreis, Gemeindenachmittag, Café, Chor…. Unsere Hoffnung und Vision sieht dabei so aus: Auf unseren Wegen tritt sonst Trennendes zurück, ob jemand Arbeit besitzt oder nicht, ob jemand viel oder wenig Geld hat, er gesund oder krank ist, ist zwar natürlich nicht aufgehoben, aber steht nicht im Vordergrund. Alles wird angeleuchtet davon, dass wir gemeinsam Kinder eines Gottes sind und somit Brüder und Schwestern füreinander. In der Mitte unserer Gemeinschaft steht einer, den die alte Kirche den „verwundeten Arzt“ genannt hat: Jesus von Nazareth. Er hat viele und herbe Schmerzen durchlebt, insofern war er verwundet. Er begegnete den Menschen heilend und heilsam, darum war er Arzt.
Ihr Pastor
Benedikt Kleinhempel

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