Unter freiem Himmel

Manche Worte in der Bibel verschlagen mir den Atem. Da betet einer: „Der Herr ist mein Hirte…“ Unglaublich ist das, unfassbar. Aber wunderbar ist es auch, voller Zauber. So sicher und gewiss sagt er es. Tiefes Vertrauen und warme Geborgenheit klingen aus diesem Bild von Gott heraus. Und dabei ganz schlicht. Ich möchte dieses Bild in mein Herz einziehen lassen. Öfter aber bleibt es wohl allein auf meinen Lippen. Der, der da betet, malt es aus. Und mir gefällt es, was ich mit seinen Augen sehe: Gott taucht nicht als Regent auf, ist keiner, der kommandiert. Er hält seinen Hirtenstab in der Hand. Er gewährt, er lässt frei. In seiner Nähe kann man leben, Spielräume entdecken, Freude und Freiheit finden. Die grünen Auen sind da. Er weidet mich darauf und schenkt mir Lebensfreude. Aber bei alledem betet der Be-ter nicht blauäugig. Er hat auch Lebenstäler vor Augen. Die gibt es auch. Der Hirte kann oder will sie nicht einebnen. Das wäre zu schön um wahr zu sein. Aber der Hirte, wie ihn der Beter malt, ist da im finsteren Tal, er sucht die
Nähe zu uns, er tröstet.
Mit solchen Augen möchte ich sehen lernen. Hinter die Dinge schauen, in die Tiefe hinein. Der schnelle Blick von außen auf die Dinge und Ereignisse bekommt ihn nicht zu Gesicht. Vielleicht können ja die Sommerwochen so etwas wie eine freundliche Sehschule sein. Am Anfang mag dabei eine Be-gegnung mit der realen Seite des Bildes stehen: In einem Gottesdienst unter freiem Himmel wird uns ein Hirte, ein Schäfer, von seinem Leben mit den Tieren und deren Eigenheiten erzählen. Auch der Hütehund wird da sein. Auf diese Weise können wir mit einem Hirten auf Erden und dem im Himmel

in den Sommer gehen. Das wünsche ich uns.
Herzlich

Pastor Benedikt Kleinhempel

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