Sommerwochen…

Was mag ich an ihnen? Ganz viel! Herrlich ist es etwa zu merken wie mich in der Hitze der Sonne das kühle Wasser eines Badesees umspült. Oder wie wohlig durchströmt es mich, wenn ich mich auf einen von der Sonne erwärmten Stein setze. Ganz besonders liebe ich aber die Kornfelder in den Sommerwochen.
Ihr goldgelber Glanz strahlt etwas Festliches aus. Sie lösen bei mir den Reiz aus, einmal mitten hindurch zu gehen, mich von den Halmen und Ähren ganz umgeben zu lassen.
Bisher blieb es aber dabei, eine Pflanze durch meine Hand gleiten zu lassen. ‚Wie sieht sie genau aus, um welches Getreide handelt es sich, wie weit ist sie schon reif?

Meine Großmutter hatte mir oft gezeigt, woran man die Getreidearten unterscheiden kann.
Mitunter denke ich daran, was alles notwendig war, um dies alles wachsen zu lassen. Der Landwirt hat den Boden vorbereitet und dann die Saat in die Erde gebracht.
Dann hat er loslassen müssen, darauf vertraut: es wird etwas wachsen. Viel oder wenig, das liegt nicht allein in seiner Hand.

Jesus hat einmal von einem Mann erzählt, der Weizen aussäte und später dann ernten konnte. Man kann aus dieser kurzen Erzählung
Staunen heraushören:

„…und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie“. Jesus nimmt dies Säen, Wachsen und Ernten als Bild: Ist es nicht genauso mit deinem ganzen Leben? Du gibst dich hinein in das Leben, setzt dich ein, strengst dich an, begleitest mit Liebe deine Kinder oder Enkelkinder, schenkst Einfühlung in einer Freundschaft oder leitest aufmerksam eine Gruppe von jungen Leuten, Konfirmanden etwa. Du machst Pläne und hast vielleicht Träume und Visionen.
Dann musst du aber immer wieder auch einen Schritt zurücktreten
davon und loslassen, alles einer Entwicklung überlassen, die du nicht ganz im Griff hast. Nicht alles hängt von dir ab.
Vertrau!
Und: du wirst ernten, es wird eine Ernte geben. Auch wenn man es nicht gleich sehen kann. Da wächst etwas. Im Verborgenen manchmal. Und es ist staunenswert.
So oder so ähnlich hat es Jesus wohl gemeint. Sehen wir unser Leben
mit solchen Augen an, sieht es sich alles neu an, wie verwandelt.
In den Sommerwochen haben wir vielleicht etwas Muße, unseren Blick auf einem Kornfeld ruhen zu lassen – und auch so auf unserem
Leben.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Sommer.
Ihr Pastor
Benedikt Kleinhempel

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