Sein furchiges Gesicht reckt er förmlich der Sonne entgegen

Ein alter Mann sitzt auf einer Bank. Sein Bart ist eisgrau. Sein furchiges Gesicht reckt er förmlich der Sonne entgegen, ihren wärmenden Strahlen. Er saugt sie ganz in sich hinein. Er weiß: in der Ewigkeit gibt es keine Jahreszeiten…

So etwa zeichnet Joseph Roth eine Figur in seinem Roman „Die Kapuzinergruft“. Ich sitze in einem Sessel am Fenster, das Diktiergerät in der Hand. Alt bin ich noch nicht, aber mit Grau an den Schläfen und Rheuma in den Knochen. Erstaunt, überrascht und vor allem erfreut bin ich: Schon Abend und noch so hell! Gott sei Dank! Die dunkle Decke, die in den Wintermonaten über alles ausgebreitet war, zieht sich langsam zurück. Ich freue mich auf den Frühling: Die ersten Farben in Weiß oder Grau, Krokusse, Narzissen…

Gut, dass ich noch nicht in der Ewigkeit bin, sondern den Wechsel der Jahreszeiten mit Farben, Früchten und Gerüchen erleben darf. Die üppige rote Rose an meiner Terrassentür mit ihrem schweren süßen Duft, das Eis am Stiel in der Hitze, das raschelnde Laub unter den Füßen, das Wachsen eines Schneemannes unter klammen Fingern, – dies alles ist Lebenselixier für mich! Ich brauche die Jahreszeiten Alle. Ich mag sie, wenn auch nicht gleich gern und nicht an jedem Tag. Vielleicht ist es ja so: Gott löst für uns mit den Jahreszeiten vier Facetten aus dem großen Ganzen seiner Ewigkeit heraus. So erleben wir Zeiten gesondert, die eigentlich in eine intensive Zusammenschau gehören. Gott stimmt uns ein auf jenes, was kommen wird…

Unsere Sinne schärfen, Lebensfreude wecken und sich einstimmen lassen auf die Fülle Gottes – das haben wir mit den vier „Jahreszeiten“-Veranstaltungen vor. Lassen wir uns so durch dies Jahr mit Wort und Musik von Anne Clasen geleiten. Die Einladung zum ersten dieser Abende finden Sie auf der Nebenseite.

Gott segne Sie und mich

Ihr Pastor
Benedikt Kleinhempel

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