Im Advent


Sie liegt in ihrem Bett. Sie ist sehr krank.

Sie hatte sich eine Krippe gewünscht.
Die Krippe liegt nun in einem Pappkarton auf dem Tischchen an ihrem Bett.

Er hatte sie ihr geschenkt. Er war nach Hamburg gefahren – zum Weih-nachsmarkt am Rathaus. Groß sollten die Figuren sein und klar.

Die Frau sollte sie gut fühlen können – mit der einen Hand, die sie gebrauchen konnte. Sie sah sehr schlecht.

Nun sitzt er an ihrem Bett. „Ich möchte den Esel zuerst“, antwortet sie auf seine Frage: „Mit welcher Figur wollen wir anfangen?“

Er legt ihr den Esel in die offene, ausgestreckte Hand.
Sie betastet die Figur, hält sie nah vor ihr rechtes Auge.

Sie lächelt, freut sich. Und so wickelt er Figur um Figur aus dem feinen Seidenpapier und reicht sie ihr.

Erst die anderen Tiere: Ein Schaf
und noch eines , den Ochsen.

Dann die Menschen:
den Hirten mit dem Stab,
Joseph mit dem Bart,
nacheinander die drei Könige mit den Geschenken.

Schließlich kommt Maria dran und ganz zuletzt das kleine Kind.

Liebevoll und ein wenig feierlich legt er ihr die kleine Holzfigur in die Hand, die sie schon erwartet. Zärtlich umschließt sie die kleinste Figur und öffnet wieder die Hand, betrachtet das Jesuskind.

Etwas Besonderes ist im Raum. Es sind nur ein paar Holzfiguren. Aber doch leuchtet es irgendwie aus ihr und ihm, leuchtet es um sie herum. Sie sind angekommen – bei sich selbst, bei dem anderen, bei dem Licht, das wir Gott nennen.

Advenire heißt: herangehen.
Advent heißt: Ankunft.

Und wir? Worauf gehen wir zu? Wie und wo möchten wir ankommen?

Ihr Pastor
Benedikt Kleinhempel

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