…gerade beginnt das Abendläuten.


Ich lausche.
Meine Gedanken gehen kreuz und quer. Ich soll einen Artikel für den Gemeindebrief schreiben. Diesen Artikel. Draußen ist es schon lange dunkel. Meine Pfeife dampft, mein Kopf auch. Ich will etwas über Gegenkräfte zu dem Dunklen sagen. Mir fällt die Dunkelheit in diesen Wochen und Monaten doch immer wieder einmal aufs Gemüt. Was hilft da, was tut gut? Wie komme ich an das Licht heran? Manchmal wärmt schon eine einzige Kerze die Seele, mitunter braucht es aber auch mehr. Was also fängt Wärme und Licht? Bilder tauchen in mir auf: Gestern im Gottesdienst mit den Taufen. Emmi hatte eine große und dicke Kerze in der Hand; die kleinen Finger konnten sie kaum umschließen und halten. Glücklich und stolz hielt sie die schwere Licht-Quelle, die mit einer riesigen Sonne verziert war. – Dabei war sie selbst das Licht. Für sie war nur dieser Moment wichtig. Andächtig und versunken stand sie da vor mir.

Und: War es nicht eben erst im Gemeinde-Café hell und warm gewesen? Ein anregendes Gespräch hatte es gegeben. Alle hatten sich beteiligt, sich zugehörig gefühlt.
Oder vor kurzem, als ich Uta Thiessenhusen, unsere Kirchenmusikerin, dankbar umarmte, weil sie nun mittlerweile zehn Jahre der Orgel lebendige und berührende Töne entlockt. In diesem dankbaren und innigen Augenblick war es für mich und vielleicht für sie hell und licht.
Und wie war es, als neulich der Chor dies zu Herzen gehende schwedische Lied sang? Da taucht Schweden aus Kindertagen in mir auf. Eine schlichte schöne Landschaft, natürliche Menschen.

Gastfreundschaft.

Ich bin überrascht, soviel Licht war da und ist da. Nur weil ich mich darauf besann, ist es mir bewusst geworden. Das Glockengeläut ist längst verklungen. Mir kommt ein Wort Jesu in den Sinn. Wir gehen ja auf seine Geburt in diesen Wochen vor Weihnachten zu. Er hat von sich selbst gesagt oder ist es ihm von anderen Menschen in den Mund gelegt worden, um sein Wesen treffend zu beschreiben? – „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Ich finde es ist gerade in den Dunkelheiten ein wunderbares Wort. Er hätte ja ganz anderes über sich sagen können, wie zum Beispiel: „Ich bin der weiseste Weise“ oder „Ich bin der wunderbarste Wunder-heiler“. Er sagt aber: „Ich bin das Licht der Welt.“ Und wieso? So wie er war, zieht er uns in eine Weite des Herzens. Er lässt uns den Balken im eigenen Auge sehen und hilft uns so aus Neid, Arroganz und Überheblichkeiten. Er möchte uns Mut machen zu leben, auch standzuhalten und durchzuhalten.

Wie oft bestärkt und bestätigt er Menschen seiner Umgebung, indem er sie auf ihre eigenen Kräfte aufmerksam macht: „Dein Glaube hat dir geholfen“ – oder: „Komm auf deine eigene Beine, Du vermagst es…!“ Jesus lädt zu Vertrauen ein. Er stellt ein Bild dafür vor unsere Augen: Inmitten des Tosens von Sturm und Wellen schläft er ruhig im Heck eines kleinen Schiffes auf dem See Genezareth. In der Tiefe wirst du gehalten und getragen, will er uns zeigen. So weist uns Jesus Wege ins Licht, unterstützt und vertieft unsere Versuche.

So lassen Sie es uns weiter versuchen und ausprobieren, besonders in diesen adventlichen Wochen.

Eine gesegnete Zeit wünsche ich Ihnen und mir.
Ihr Pastor
Benedikt Kleinhempel

Schreibe einen Kommentar