„Geh mir bloß mit Geboten weg!“

So wiegelte spontan und energisch ein Freund ab, als ich ihn auf die 10 Gebote ansprach. Das war an der Theke eines Sportlerheims. Er bestellte sich demonstrativ erst mal noch ein Bier. Nach dem Motto: „Ich laß mir doch nichts vorschreiben“!
Etwas erschrocken war ich schon. So heftig hatte ich mir seine Reaktion nicht vorgestellt – hatte ich doch nur mit ihm ein wenig hin- und hersprechen wollen, um mit diesem Artikel für den Gemeindespiegel voranzukommen.
Schnell entgegnete ich, was ich kürzlich gelesen und gelernt hatte:
Die 10 Gebote hießen ursprünglich „die 10 Worte“. Sie wollen nicht das ganze Leben regeln oder reglementieren. Sie stellen nur eine Art Grenzpfeiler an den Rändern des Lebens auf. Wer dahinter gerät kommt ins Rutschen, ihm rutscht gutes gelingendes Leben weg. Deshalb sind diese „Worte“ ursprünglich Verbote, von Haus aus komplett, und drei erst später zu Geboten umformuliert. Der Freund hört zu, spricht aber nicht. Mir ist unbehaglich: Was rede ich da eigentlich? Noch vor ein paar Jahren fand ich die 10 Gebote auch fremd und spröde, wenig inspirierend. Was hat sich verändert? Vieles… oder sieht man nur deutlicher? „Welt aus dem Takt“, „Gier regiert“, so titeln seit einiger Zeit Zeitungen und Illustrierten. Vom Begehren handeln gleich zwei Gebote bzw. Verbote. Sie kennen offenbar unsere Gefährdung: den Neid, den Vergleich mit dem, was der andere besitzt. Sie möchten der Gesellschaft und mir selbst heilsame Grenzen setzen. So macht jedes dieser zehn Worte uns auf etwas Wichtiges aufmerksam und will uns helfen, auf einer guten Spur des Lebens zu bleiben. Den Freund, Sie alle und auch mich selbst möchte ich einladen über den Sinn dieser Grenzmarken nachzudenken: Das können wir in einer neuen Gottesdienstreihe tun, die sich den 10 Geboten widmet. Interessante Menschen, die dazu etwas zu sagen haben, werden sich Monat für Monat mit einem Gebot auseinandersetzen. Nach den Sommerferien starten wir. Professor Dr. Opaschowski wird im September die Reihe eröffnen (siehe Nebenseite). Ich freue mich sehr auf diesen Weg auf dem uns bestimmt für manches Neue die Augen aufgehen werden. Vielleicht sind Sie mit mir neugierig und erwartungsvoll.
Herzlich
Benedikt Kleinhempel

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