Gäste des „Geburtstagskindes“

Fünf Leute stehen um einen Bistrotisch herum, vier Männer, eine Frau. Sie sind Gäste des „Geburtstagskindes“ und haben deswegen ganz zufällig zueinander gefunden. Das Gespräch will nicht recht in Gang kommen. Beklommen und hilflos schauen sie in der Gegend herum. Man sieht auf den ersten Blick: Sie sind alle sehr unterschiedlich. Der eine im Anzug ein anderer in einer Nylonjacke, die dritte mit Glitzer im Haar . . .
Da fällt plötzlich ein Name, ein Club, ein Ergebnis. Von Fußball ist die Rede. Und auf einmal ist alles wie verwandelt: Fremdheit ist verflogen, Unterschiede scheint es nicht mehr zu geben, Worte kommen wie von selbst . . . Alle blühen förmlich auf. Was ist geschehen? Welcher Geist ist da in die Menschen gefahren? Ein Fußball-Geist, ein Sports-Geist, ein Pfingst-Geist? Ein Geist jedenfalls, der verbindet.
Drei Jugendliche sitzen in der S-Bahn zusammen. Ihre HSV-Schals machen deutlich, woher sie kommen. Man merkt auch: Sie haben einen Sieg ordentlich gefeiert, oder eine Niederlage
begossen. Da steigt eine ältere Dame in Abendgarderobe zu und setzt sich auf den noch freien Platz. Zunächst schaut sie irritiert, dann fragt sie: „Wie ist es ausgegangen?“ Die Jungs nicht weniger überrascht, geben Auskunft. Und schon ist ein Gespräch im Gang. Es führt von einem ungerechten Elfmeter über einen wunderschönen Freistoß bis zur Opernveranstaltung, die die Frau am Abend erlebt hat. Das hätten die vier sich nicht träumen lassen in einen solchen Kontakt zu geraten. Als sie schließlich auseinandergehen, sind sie alle angeregt und zufrieden. Was ist da geschehen? War da ein Fußball-Geist? Ein Sports-Geist? Ein Pfingst-Geist am Werk? Stehen wir plötzlich nebeneinander im Stadion. Er hat etwas Rotes um seinen Hals. Ja, es ist der Schal von Hannover 96. Ich selbst trage den HSV-Schal. Wir beäugen uns. Die Spieler unten auf dem Feld sind Gegner. Wir sind es wohl auch . . . Oder doch nicht? Ein zaghaftes Wort ist es zunächst, etwas Anerkennendes über einen Spielzug der anderen Mannschaft , reinste Fachsimpelei . . . Schon ist alle Frostigkeit gewichen. Irgendwie verstehen wir uns und sind wohl auch irgendwie froh eine Grenze überwunden zu haben. Was für ein Geist hat uns da geholfen? Ein Fußball-Geist, ein Sports-Geist, der Pfingst-Geist?
Sonntag morgen kurz vor halb zehn. Ich schaue neugierig zur Kirchentür hinaus, wer kommt? Ein Mann meines Alters tritt ein, seinen kleinen Sohn Felix an der Hand, dahinter schieben sich gleich ein paar ältere Damen in den Kirchenraum. Dann kommt eine Gruppe jüngerer, so um die 30 herein, Sie wollen heute als Band Musik machen. Einige Konfirmanden umringen die Küsterin, um sich in das Teilnahmebuch einzutragen. Dabei steht Momme, 10 Jahre alt, der heute getauft werden möchte. Hinter ihm tauchen die drei Paten auf und seine Familie. Wir werden gleich in den Gottesdienst einziehen. Einige Leute habe bereits in den Stuhlreihen Platz genommen. Da sitzt eine Frau, deren Tochter des Studiums wegen gerade zu Hause ausgezogen ist, daneben sitzt ein Mann, der ein Unternehmen leitet, dahinter einer der aus gesundheitlichen Gründen schon einige Jahre aus dem Berufsleben ausgeschieden ist . . .
Eine bunte Gesellschaft ist da zusammen. Einige kennen sich. Andere sind einander unbekannt. Alle werden gleich miteinander singen, beten, Lieder auf sich wirken lassen, und hören was Jesus von Gott zu erzählen hat: Ein Gott wie ein guter Hirte oder ein Vater, der seinen verlorenen Sohn mit offenen Armen empfängt. Das ist es hier was die Menschen miteinander verbindet. Darum sitzen sie hier zusammen.
Deshalb werden sie nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee oder Tee zusammenstehen und sich unterhalten. Welcher Geist hat diese Menschen zusammengeführt? Doch wohl der Geist Gottes, der pfingstliche Geist.
Sports-Geist – Pfingst-Geist – Geister verschiedener Welten? Oder doch ein Geist, der in
verschiedener Weise Gestalt gewinnt? Dieser Frage wollen wir zu Pfingsten im Gottesdienst
nachgehen. Dazu machen sich Menschen Gedanken, die etwas vom Fußball verstehen.
Wenige Tage nach Pfingsten beginnt das große Fußballfest, die Fußballweltmeisterschaft
in Deutschland. Im Pfingstgottesdienst und bei den Fußballspielen wünschen wir ihnen viel Freude und gute Gedanken.

Ihr Pastor
Benedikt Kleinhempel

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