Eine Sommerreise ins Baltikum vom 15.08.- 12.09.2016 Zu unserer Reihe „Meine Urlaubs-Kirche“ schreibt diesmal Marina Umlauff einen Beitrag.

Im Winter über die vergangene Sommerreise zu schreiben, das ist
schon etwas Besonderes. Es holt vor allem die Wärme der Sonne
zurück. Mitte August 2016 starteten wir mit dem Wohnmobil Richtung
Osten, unsere Reise sollte entlang der polnischen Ostseeküste durch
die baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland führen.
In Kolobrzeg, dem ehemaligen Kolberg, war unsere
erste Übernachtung und wir erlebten dort das erste
und – glücklicherweise – einzige heftige Unwetter. Der
Campingplatz stand unter Wasser und wir waren froh
auf einem Betonuntergrund zu stehen, denn sonst
hätten wir am nächsten Tag nicht weiterfahren können.
Nach diesem Unwetter hatten wir fast nur noch
Sonnentage und so konnten wir die Küste und den
Geburtsort meines Vaters in der Nähe von Köslin genießen. Es gab
viele nette Begegnungen und wir konnten uns von der Liebe der Polen
zur Musik immer wieder überzeugen. So gab es ganz oft in den
öffentlichen Parks Konzerte junger Musiker, denen jeder zuhören
konnte und die ohne Eintritt waren.
In Litauen haben uns die Sehenswürdigkeiten des
Landes beeindruckt und natürlich besonders Nidden,
das Urlaubsdomizil der Familie Mann auf der
kurischen Nehrung. Wir genossen die Kiefernwälder,
die Strände und die herrlichen Ausblicke. Es
war niemals ein Problem einen Stellplatz oder
Campingplatz zu finden und wir waren beeindruckt
von der Qualität der Plätze.
Unsere Route führte uns weiter nach Osten –
Lettland, in die Nähe der russischen Grenze. Es
gab einen spürbaren Unterschied zwischen dem
relativ gut situierten Litauen und Lettland. Das
waren zunächst einmal die Straßen und dann auch
die Übernachtungsmöglichkeiten. Auf dem Land
konnte man bei den Bauern fragen und sie waren gerne bereit einem
für eine Nacht einen idyllischen Platz zu geben. Und dann schlug das
Schicksal zu! Auf dem Weg nach Aluksne, das wegen seiner immer
noch fahrenden Kleinbahn unser Ziel war, hatten wir einen Platten. Wir konnten gerade noch mit dem kaputten Reifen auf einen Gutshof
fahren. Da das Reparieren und die Beschaffung eines Ersatzreifens
einige Tage in Anspruch nahmen, erkundeten wir diese einsame
Gegend sehr ausgiebig mit dem Rad. Es war die Zeit der Apfelernte
und obwohl wir das Alte Land kennen, sind wir der Ansicht noch nie
zuvor so viele Apfelbäume gesehen zu haben. Jedes kleine Haus hatte
Apfelbäume in großer Zahl, die abgelegensten Straßen waren mit
ihnen gesäumt und sie schmeckten wirklich
richtig lecker. Die Menschen haben oftmals
noch deutsche Vorfahren, die
Baltendeutschen, und wenn man ein wenig
Zeit mit ihnen verbracht hat, dann kommt
auch die Sprache wieder zum Vorschein. In
der Kleinstadt Aluksne gibt es ein
entzückendes kleines Bibelmuseum mit
ganz vielen Bibeln, die Familien zur
Verfügung gestellt haben. Wir haben das Museum mit dem
Versprechen verlassen ein Exemplar unserer
Kinderbibel zu schicken.
Weiter ging es nach Estland, der reichste der drei
baltischen Staaten. Dort waren es vor allem die
Inseln, die uns in ihren Bann schlugen Hiiumaa und
Saaremaa. Während in Lettland oftmals eine tiefe
Religiosität zu spüren war, machte es uns durchaus
betroffen, dass in Estland viele Kirchen nur noch Ruinen waren. Die
Besatzungszeit durch Russland war immer wieder
spürbar und auch die Auswirkungen des zweiten
Weltkrieges. Die Menschen haben uns beeindruckt, auf dem Land
sind sie sind bescheiden und besonnen und die großen Städte
unterscheiden sich in ihrer Betriebsamkeit nur wenig von unseren.
Besonders schön waren die verschiedenen Landschaften, die Ruhe
ausstrahlten und uns immer wieder mit neuen Aus- und Anblicken
überraschten. Ebenso beeindruckt waren wir, als wir in der Einsamkeit
kurz vor der russischen Grenze zwei junge Leute aus Berlin trafen. Mit
ihren Rädern waren sie in Berlin gestartet und wollten nun weiter per
pedes nach Moskau. Wir dagegen sind nach diesen
abwechslungsreichen Wochen von Klaipeda aus wieder mit der Fähre
zurück nach Kiel gefahren.
Aber das war nicht unsere letzte Reise ins wunderschöne Baltikum.