Wir stellen die Kirchengemeinderäte unserer Gemeinde vor – Marina Umlauff

Wir stellen die Kirchengemeinderäte unserer Gemeinde vor.

marina-umlauffMarina Umlauff gehört dem Kirchengemeinderat
seit 15 Jahren an.

Kle (Pastor Kleinhempel): Seit 15 Jahren gehörst du, Marina Umlauff, dem Kirchengemeinderat an. Viele Jahre warst du die Rektorin, Schulleiterin, der Grundschule Mühlenredder in Reinbek, nun bist du seit August letzten Jahres im Vorruhestand. Wirkt sich diese neue Lebensphase auf deine Mitarbeit im Kirchengemeinderat aus?
Um (Marina Umlauff): Sicher, ich kann mehr Zeit aufwenden für
Organisatorisches wie z.B. das Grünkohlessen der Ehrenamtlichen
oder mich auch intensiver mit den Themen unserer Sitzungen
auseinander setzen.
Kle: Konntest du Erfahrungen aus deiner Arbeit in der Schule in unsere Arbeit hier einfließen lassen?
Um: Ja, es sind oftmals die Erfahrungen im Umgang mit vielen
Menschen, die ich bisher einbringen konnte, die Organisation von
Veranstaltungen und Festen oder Haushaltsfragen. Zuhören können und immer mal wieder unsere Themen aus einem anderen Blickwinkel betrachten, da bin ich sicherlich durch meinen Beruf besonders geschult. Die Mitwirkung im Kirchengemeinderat war und ist mir immer ganz wichtig, sie macht mir Freude. Viele andere Tätigkeiten, die mit meinem Beruf zusammenhingen habe ich im Laufe der Jahre zurückgestellt oder aufgegeben, aber nicht den Kichengemeinderrat.
Kle: Wer oder was hat dich auf die Spur des Glaubens gebracht? Gab
es da Menschen oder war es ein besonderes Erlebnis?
Um: Ich erinnere mich ganz besonders gerne an meine Großmutter
Raddatz, sie kam aus Pommern und hatte durch alle schlimmen
Kriegswirren hindurch die Familienbibel gerettet. Diese Bibel durfte ich als kleines Mädchen oft anschauen, vor allem waren die kleinen Bilder darin interessant. Meine Großmutter begann und beschloss den Tag stets mit einem Gebet und sie erzählte mir gerne Geschichten aus der Bibel. Vorlesen konnte sie nicht mehr, denn sie war fast blind.Ich saß oft bei ihr auf einem kleinen Fußschemel und hörte ihr zu, so fing wohl alles an. Zum Glauben fand ich in meiner Studentenzeit durch eine Kommilitonin und ihre Familie. Damals habe ich mich sehr intensiv mit dem „Christ sein“ auseinandergesetzt und seitdem erfahre ich immer wieder Stärkung, Frieden und Freude im Glauben.
Kle: Es sind also vorwiegend Menschen, die dich auf den Weg
brachten. Welch ein buntes Bild zeigt sich da!
Um: Ja, ich wurde ganz sicher geprägt durch die Lebenseinstellung
meiner Eltern und Großeltern. Sie ergaben sich nie einem Schicksal,
sondern sind immer wieder aufgestanden und – wenn nötig – neue
Wege gegangen. Mein Vater hat mir das einmal so verdeutlicht: Wenn ein Landweg unpassierbar wird, ergibt sich links oder rechts daneben immer ein neuer Weg, der genutzt werden kann.
Kle: Meine nächste Frage ist eine sehr persönliche, die ich dir dennoch stellen möchte. Du warst eine Zeitlang sehr krank. Hat das dein Leben und deine Sicht auf das Leben verändert?
Um: Ja, ganz bestimmt. Wenn ich zurückblicke, dann sind da zwei
Phasen des Krankseins. Nach der ersten Erkrankung, dem Burnout,
hatte ich noch nicht verstanden, dass ich beruflich nicht gleich wieder da anknüpfen muss, wo ich vorher stand. Deshalb kam es dann eben heftiger und die Krebsdiagnose zwang mich zum Umdenken. Ich lernte, dass ich kein Egoist war, wenn ich zunächst einmal an meine Gesundung dachte. Berufliche Belange und Engagement in vielen Bereichen rückten in den Hintergrund. Inzwischen habe ich gelernt, sorgsam mit mir umzugehen. Dazu gehört auch die bewusste Zeit für meine Familie, Freunde und meine Hobbies. Dadurch fand ich auch viel mehr Ruhe und Gelassenheit. Das alles liegt nun sechs Jahre zurück und obwohl ich einen anderen medizinischen Weg ging, bin ich gesund. Das alles hat mich sicher auch gestärkt.
Kle: In der Seelsorge geht es oftmals genau darum, dass der Körper
Signale gibt, auf die man hören soll und wenn du sie nicht hörst, dann
werden sie immer stärker. Du lachst, wenn du so erzählst und das
Lachen ist auch immer eine besondere Energie.
Um: Das stimmt, der Humor ist wirklich etwas Besonderes. Bei
meinem Großvater stand dieser Spruch: „Humor ist, wenn man
trotzdem lacht“. Das wurde für mich ein Leitmotiv.
Kle: Ja, das stimmt wirklich. Vielen Dank für dieses Gespräch.