Ein etwas anderer Gesprächskreis – oder „Stormarn liest ein Buch“


Ein etwas anderer Gesprächskreis
– oder „Stormarn liest ein Buch“

Über mehrere Wochen erstreckte sich die Aktion „Stormarn liest ein
Buch“, an der viele, ganz unterschiedliche Kreise, Einrichtungen und
Gruppierungen teilnahmen. Unsere Kirchengemeinde beteiligte sich als
einzige Gemeinde des Kreises Stormarn. Ausgewählt worden war von
den Initiatoren der Aktion das Buch von Jennifer Teege „Amon – Mein
Großvater hätte mich erschossen“.
Eckehard Schulz hatte die Idee, dass unsere Gemeinde sich im
Rahmen des Gesprächskreises an der Aktion beteiligen könnte, und er
war es auch, der uns aus dem Kreis der Lektoren fragte, ob wir uns
vorstellen könnten, einen Teil aus diesem Buch zu lesen. Wir konnten
das Buch im Vorwege lesen und uns dann schlussendlich entscheiden,
ob wir „öffentlich“ lesen möchten.
Das Buch, das Jennifer Teege gemeinsam mit der Journalistin Nikola
Sellmair schrieb, handelt von dem mühsamen Weg der Autorin, ihre
Identität neu zu definieren nachdem sie herausgefunden hat, dass sie
die Enkelin des Amon Göth ist. Dieser Amon Göth, als Person auch
aus dem Film „Schindlers Liste“ bekannt, war der Kommandant des
Konzentrationslagers Plaszow bei Krakau. Er wurde der Schlächter
von Plaszow genannt wegen seiner unsäglichen Grausamkeit, mit der
er die Gefangenen behandelte und umbringen ließ. Jennifer Teege,
Tochter eines Nigerianers und der Tochter von Amon Göth, die
mehrere Jahre in Tel Aviv studiert hat und fließend hebräisch spricht,
stellt im Laufe ihrer Recherchen erschüttert fest „Mein Großvater hätte
mich erschossen“.

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Aufgrund dieses schwierigen und berührenden Textes fand die Lesung
in der Kirche statt, wo solch erschütternde und aufwühlende Passagen
besser aufgehoben zu sein scheinen als in einem nüchternen
Gemeindehausraum. Dagmar Bleich, Edelgard Trümmner und ich
lasen unsere jeweiligen Textstellen, eine jede mit ihrer ganz eigenen
Betroffenheit und Emotionen. Eckehard Schulz moderierte diesen
Abend und führte in der Moderation zwischen den einzelnen Lesungen
mit sehr viel Einfühlungsvermögen und auch Hintergrundinformationen
zum jeweils nächsten gelesenen Abschnitt.
Im Anschluss fand ein reger Gedankenaustausch zwischen den
Besuchern dieses Gesprächskreises und den Beteiligten statt. Viele
eigene Erfahrungen wurden bei den Besuchern wach. Das Fazit des
Abends waren die einhellige Überzeugung“ So etwas darf nie wieder
passieren“ und die Erkenntnis „Wir wissen alle nicht, wie wir uns unter
den Bedingungen des dritten Reiches selbst verhalten hätten“.
Das letzte Wort in Jennifer Teeges Buch ist „Hoffnung“, und das war
es, was wir alle von diesem Abend mit heimnahmen.