Gebet [eines Gärtners]

Gebet [eines Gärtners]

dasjahrdesgaertners

Herrgott, richte es so ein,
daß es täglich von Mitternacht bis drei
Uhr früh regne,
aber langsam und warm, weißt du,
damit es einsickern kann;
doch soll es dabei nicht auf die
Pechnelke, das Steinkraut,
Sonnenröschen,
den Lavendel und andere Blumen
regnen,
die dir in deiner unendlichen Weisheit
als trockenliebende Pflanzen bekannt
sind – wenn du willst, schreibe ich es
dir auf ein Blatt Papier auf;
ferner soll die Sonne den ganzen Tag
über scheinen,
aber nicht überallhin (zum Beispiel
nicht auf den Spierstrauch und Enzian,
noch auf Funkie und Rhododendron)
und auch nicht zu stark;
dann möge es viel Tau und wenig Wind geben,
genug Regenwürmer, keine Blattläuse, Schnecken und keinen
Mehltau,
und einmal in der Woche
verdünnte Jauche mit Taubenmist regnen.
Amen.
Capek, Karel (1890-1928)
aufgelesen von Marga Güntzel (Küsterin)