Sommer-Nachklang Zu unserer Reihe „Meine Urlaubs-Kirche“ schreibt diesmal Pastor Kleinhempel einen Beitrag.

Sommer-Nachklang
Zu unserer Reihe „Meine Urlaubs-Kirche“ schreibt diesmal Pastor Kleinhempel einen Beitrag.
Meine Urlaubskirche
Die Kirche von Oberstaufen in Bayern liegt auf einer Anhöhe. Der Weg hinauf ist sehr steil. Mit ganz kleinen langsamen Schritten stieg ich ihr entgegen. Die Sonne schien mir heiß auf den Rücken. Zuweilen musste ich anhalten und auch Luft schnappen. Auf meinem weißen Stock gestützt glitt mein Blick dann über das ganze Tal hin.
Aufgeheizt nach Atem ringend und ein wenig wackelig auf meinen Beinen umfasste ich schließlich den metallenen Türgriff der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul Oberstaufen.
Ich stutzte: Der Griff fühlte sich merkwürdig an, irgendwie rund und von etwas länglichem umgeben. Ich tastete genauer und war berührt: Ich umfasste den Kopf eines Engels. Drinnen empfing mich Kühle und Stille. Nur meinen schnellen Atem hörte ich und mein klopfendes Herz. Ich ging den geräumigen Mittelgang entlang, und setzte mich dann schnell in eine Kirchenbank.
Mächtig, lang, breit und hoch erschien mir der Raum, das sogenannte Langhaus mit seinen drei gleich hohen Schiffen. Zwei oder dreimal atmete ich tief ein und wieder aus. Dann wurde ich ruhiger. Ich hörte nur die Stille des Kirchenraumes. Nach einigen Minuten hörte ich vom Eingang her, wie eine Münze im Kasten klang. Dann wieder Stille. Eine Kerze mehr brannte sicher von da an und trug liebevolle Gedanken in ihrem warmen Schein. Ich legte meine Stirn auf die Bankplatte. Leises Rumoren hörte ich dann. Aus den Augenwinkeln sah ich einen alten Mann, der im Rollstuhl an mir
vorbeigeschoben wurde zum Altar. Die junge Frau, die ihn schob, und er redeten gedämpft miteinander. Dann breitete sich wieder Stille aus – wohltuend wie eine eigene Sphäre, bis lautes Reden und ständiges Kichern, erst im Vorraum, dann im Kirchenschiff diesen feinen Zauber zerriß. Leider blieben diese Besucher länger als ich gehofft hatte und sogar noch außerhalb der Kirche waren sie zu hören. Kaum wahrnehmbar ging geraume Zeit später eine kleine rundliche Frau an mir vorüber. Ich merkte es nur an dem leisen Windhauch. Ein Bein wollte offenbar nicht ganz so wie sie. So zog sie
mühsam ihre Bahn, erst durch den Mittelgang, dann die beiden Seitenwände entlang. Sie betrachtete nacheinander die Kreuzigungsstationen Jesu, die dort in farbigem Halbrelief zu sehen waren. Sie strahlte dabei, wie mir schien, eine innere Teilnahme aus. Nachdem sie, die Kirche verlassen hatte, machte ich mich auch langsam auf den Weg.
Beim Herausgehen griff ich mir einen Flyer, der in einem großen Stapel am Ausgang auslag. Mein Blick streifte die großen Buchstaben, die darauf standen: „Atempausen“.
Pastor Benedikt Kleinhempel