„Mein“ Weg – Birgittaleden 2016


Seit 2011 gibt es den Pilgerweg der heiligen Birgitta von Schweden zwischen Linköping und Vadstena. Seit 2011 träume ich davon diesen „meinen“ Weg zu gehen.
Dieses Jahr war es soweit!
Monatelange Vorbereitungen mit Ausrüstung besorgen, trainieren und mich mental auf die Pilgerei vorbereiten, hatten im Juli ihren Höhepunkt erreicht, vor mir lagen 4 Wandertage und ein Erholungstag im Pilgerzentrum in Vadstena.
In Linköping war ich zuerst im großen Dom im Gottesdienst. Sehenswert ist in diesem Dom der „Baum des Lebens“ und der „Heilige Weg“.
An dem Baum, einem wunderschönen Lichterbaum, habe ich Kerzen angezündet und mich dann auf den „Heiligen Weg“ gemacht, ein 180 Meter langer Weg durch den Dom mit den „Perlen des Glaubens“. Wer mich kennt weiß, dass mich dieses besondere Perlenarmband schon lange begleitet.
Zu Beginn dieses Weges ist eine Platte im Boden eingelassen mit dem Schriftzug „Weise mir den Weg und mache mich willig ihn zu wandern.“, das Gebet der Heiligen Birgitta, das auch das Gebet aller Pilger ist.
Für mich DAS Startzeichen. Und so machte ich mich nach dem Gottesdienst und einem Pilgersegen auf meinen Weg. Es geht in den 4 Tagen 84 Kilometer durch Schwedens schöne Landschaft Östergötland. Der Weg ist vom Pilgerzentrum in Vadstena gut vorbereitet und richtiggehend  durchstrukturiert. Es gibt Tagesgedanken, über die man an den einzelnen Tagen nachdenken kann. Gebete, die man in den kleinen Kirchen, die man auf dem Weg besuchen kann, spricht. Meditationen, die immer mal wieder an besonderen Plätzen gebetet werden können.
Alles mit Hilfe des Rosenkranzes „Die Krone der Freude“.
Zwei ganz besondere Erlebnisse möchte ich mit Ihnen teilen:
Die zweite Etappe von Vreta Kloster nach Borensberg kann man, wenn man möchte, mit dem Kanalboot auf dem Götakanal fahren – es zählt trotzdem als gepilgert? Von einer Fahrt auf diesem Kanal träume ich schon seit meiner Jugend und dem Krimi „Die Tote im Götakanal“ von Sjöwall/Wahlöö. Es ist auch ein wirklich tolles Erlebnis, die 9 Schleusen und 2 Aquädukte zu durchfahren.
Das zweite besondere Erlebnis hatte ich am dritten Tag mittags in einer ganz kleinen Kirche. Ich war körperlich sehr erschöpft und hatte schon fast den Entschluss gefasst, mit dem Bus zum Zielort zu fahren. Dann habe ich Pause in dieser kleinen Kirche gemacht und nachdem ich meinen mitgenommenen Proviant aufgegessen hatte und durch die Kirche stromerte, habe ich gesungen. Ein bekanntes Taizé-Lied („Meine Hoffnung und meine Freude“), das es auch auf Schwedisch gibt. Immer und immer wieder, wie es mit Taizé-Liedern so üblich ist.
Nach ein paar Minuten, oder vielleicht waren es auch mehr Minuten, die Zeit ist völlig an mir vorbei gegangen, habe ich gespürt, dass ich wieder neuen Mut und neue Kraft bekomme. Ich habe dann den Entschluss gefasst, weiterzugehen und nicht die bequeme Bus-Lösung zu wählen. Hier hat mich der Glaube getragen und mir Kraft gegeben.
Dieses wunderbare Gefühl konnte ich durch die Tage retten und auch im Pilgerzentrum in Vadstena (unbedingt eine Reise wert!!!) habe ich durchs Singen die Kraft des Glaubens gespürt.
DIE Erleuchtung hatte ich auf meinem Pilgerweg nicht, aber die Kraft des Glaubens zu spüren und zu begreifen, was es heißt „Bei Gott ist kein Ding unmöglich“ (Lukas 1,37), das ist einer der Schätze, die ich von dieser Reise mitnehme. Birgitta Schultz