Es war ein ganz normaler Samstag …

Eigentlich hatte ich es ganz eilig, eigentlich wollte ich ganz schnell den unliebsamen Wochenendeinkauf für die Familie erledigen, eigentlich war es viel zu heiß um sich überhaupt in das aufgeheizte Auto zu setzten, eigentlich wollte ich die Freundin meiner Tochter eben schnell nach Hause fahren und dann kamen die Kinder auf dem Hof aufgeregt auf mich zugelaufen und erzählten mir , dass sie einen Mann auf unserer Straße gesehen haben, der sich am Gitter festhielt und gegen die Strömung auf der Straße wandeln würde. Sofort habe ich einen Sprint eingelegt, der für die herrschenden Temperaturen mich selbst überraschte. Eine Autofahrerin hatte ihn bereits von der viel befahrenen Fahrbahn geangelt und wusste aufgelöst zu berichten,
dass alle an ihm vorbeigefahren waren und ihn nicht aus dieser wirklich gefährlichen Situation errettet haben. Da stand dieser ältere Mann nun vor uns, voller Vertrauen mit uns gehend. Er wirkte ganz ruhig und hatte zum Glück ein kleines Magnetschild an der hübschen blauen Strickjacke mit seinem Namen und der Telefonnummer des Altenheimes, wo er wohnt – wie praktisch. Schnell war jemand am Telefon, der versprach ihn bei uns abzuholen sobald es die Personalsituation hergeben würde und
niemand war überrascht, wen wir da eingefangen hatten. Es dauerte dann doch ein weniger länger und Stück für Stück habe ich ihn mit einem Stuhl aus unserem Wohnzimmer, einem großen Glas Selters, einem schattigen Plätzchen und vielen lieben Worten und Zuspruch versorgt. Er wirkte wahnsinnig lieb und war allerdings nur schwerlich zu verstehen. Irgendwann legte er vorsichtig seine Hand auf sein Herz und sagte „Tut weh!“ – ich habe aber spüren können, dass es kein körperlicher Schmerz war. Im Laufe der Zeit kam ab und an eines meiner Kinder vorbei, um nach dem Mann zu schauen und ob der nette Herr schon abgeholt wurde. Er wirkte eigentlich recht in sich gekehrt, aber nur bis zu dem Augenblick bis mein kleinster Sohn in seiner unbeschwerten Art um die Ecke bog.
Plötzlich öffnete sich sein Gesichtsfeld, ein großes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus und er strahlte. Er sprach Jarne recht vertraulich an, so, als würde er ihn wieder erkennen und schöne Erinnerungen wach rufen. Da ging mir wirklich das Herz über und es erinnerte mich wieder daran, wie viel Erfüllung man finden kann, wenn man älteren Menschen eine Freude macht. Vielleicht reicht manches Mal ein liebes Wort, ein gemeinsamer Spaziergang durch blühende Wiesen oder gar eine unterstützende Begleitung zum nächsten gefürchteten Arztbesuch. In jedem Fall empfängt der „Geber“ die Freude des Gegenübers und kann sich an seiner Dankbarkeit ebenfalls erfreuen. Wenn Sie nun auch Lust bekommen haben solchen Erlebnissen nachzuspüren, dann würde ich mich sehr freuen, wenn Sie einem einsamen Menschen im Bismarck Stift ein wenig Ihrer Freizeit spendieren mögen.

Rufen Sie mich einfach an, wenn Sie nähere Informationen zu unserem Besuchsdienstkreis Bismarck Stift haben wollen oder einfach nur den Umfang solch eines Ehrenamtes abklären wollen. Jede Unterstützung unseres Besuchsdienstkreises ist wertvoll und jeder kann es so gestalten, wie der persönliche Lebensplan Raum bietet. Scheuen Sie sich nicht vor einer unverbindlichen Rückfrage.

Sie können mich unter der Telefonnummer:

Stephanie Steinert 040 / 656 26 19

erreichen und ich würde mich sehr über Ihren Anruf freuen und wünsche allen einen erfüllten Sommer.

Ich habe dann doch knapp eine Stunde mit diesem sympathischen Herrn zusammen sein dürfen und dann wurde er mit den hübschen blauen Hausschuhen von einer lieben Mitarbeiterin eines Heimes aus Reinbek ins Auto verfrachtet und vorsichtig angegurtet. Vorher hat sie sich noch nett bedankt und mir zum Abschied gesagt, dass er häufig ausbüxt, weil er seine verstorbene Frau sucht, die er sehr vermisst. Plötzlich hatte ich es gar nicht mehr so eilig und war sehr dankbar für diese besondere Begegnung und Entschleunigung.

Stephanie Steinert